Digital ist nicht nur rational

Wir stehen am Beginn einer Zeitenwende. Das ist keine Übertreibung. Die digitale Transformation wird alle unsere Lebensbereiche neu ausrichten und kalibrieren. Dabei sollte man jedoch auch ein paar ganz analoge Fragestellungen nicht vergessen.

Feuer, Rad, Schrift, Buchdruck, Dampfmaschine, Elektrizität, Internet und … Digitalisierung! So ähnlich könnte man aus einer Satellitensicht technologische Meilensteine der Menschheitsgeschichte zusammenfassen. Auffällig dabei: Die Abstände dazwischen wurden bzw. werden immer kürzer. Während zwischen Feuer und Rad noch hunderttausende Jahre lagen, gab es die ersten kommerziellen

Nutzungen des Internets schon knapp zehn Jahre nach der »Erfindung« des WWW in den 1980ern. Heute wissen Algorithmen teilweise schon mehr über uns als wir selbst. Maschinen kommunizieren über G5 direkt miteinander und erledigen Aufgaben völlig autonom.

 

Wohin die Reise weitergeht, ist derzeit noch nicht einmal absehbar. Fakt ist jedoch, dass durch die Digitalisierung völlig neue Geschäftsmodelle aufpoppen, die ganze Branchen binnen kürzester Zeit völlig umkrempeln. Auch langjährig etablierte Unternehmen können über Nacht verschwinden. Kodak ist in diesem Zusammenhang das oft zitierte Beispiel, wie schnell auch ein Supertanker sinken kann.

 

Nahezu alle Unternehmen haben schon erkannt, dass es völlig sinnlos ist, sich gegen die Digitalisierung zu stemmen. Wenn etwas besser, schneller, günstiger gemacht werden kann, hat es sich immer schon durchgesetzt. Und Kunden sind nun mal vor allem nutzenorientierte Pragmatiker. Oder fotografieren Sie heute etwa noch auf Film?

 

Start-ups müssen viele Herausforderungen bewältigen, aber sie haben aber den großen Vorteil, dass sie ihre neue Geschäftsidee auf der grünen Wiese aufsetzen können. Dabei lässt sich auch ihre Wertschöpfungskette gleich in Digitalisierungsschritten denken. Etablierte Unternehmen sehen sich dagegen oft mit einer digitalen Revolution konfrontiert, von der sie leicht hinweggefegt werden können, wenn sie es nicht schaffen, aus langjährigen Erfolgsmustern auszusteigen. Was tun? Die Antworten sind vielfältig: Sie reichen von agilen Organisationsstrukturen, um Entscheidungswege zu dezentralisieren,

über Design-Thinking-Ansätze, um Nutzerverhalten zu antizipieren, und den bewussten Einsatz von Interim-Managern, um neue externe Sichtweisen hereinzuholen, bis zum Aufbau von firmeninternen Inkubatoren mit dem Auftrag, mit radikalen Innovationen zu experimentieren.

 

Bei all dem sollte man nicht vergessen,dass es sich um eine digitale Revolution handelt – und Revolutionen sind immer Zeiten in denen es ganz besonders »menschelt«. Eine digitale Transformation scheitert so gut wie nie an der Technologie. Die entscheidende Engstelle in solch einem umfassenden Change-Projekt stellt die Unternehmenskultur dar. Letztlich bestimmen immer noch Menschen, was in Zukunft auch tatsächlich funktioniert. Wandel erzeugt immer Widerstand. Eine der häufigsten Ursachen für das Scheitern von Transformationsprojekten ist der Mangel an Kommunikation und Vertrauen.

 

Paradoxerweise braucht es damit gerade in digitalen Zeiten besonders viele analoge Kompetenzen. Übrigens musste auch Elon Musk eingestehen: »Exzessive Automatisierung bei Tesla war ein Fehler. Menschen werden unterschätzt.«

 

Kommentar im Report(+)PLUS 08/2019

 

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